Heute beginnt das letzte Wochenende hier in Bonn und die letzten Shows im GOP Bonn liegen vor uns. Tatsächlich hatten wir Glück, dass wir hier nicht allzu viele Doppelshows hatten; ich trete natürlich gern auf, aber Doppelshows sind meist dennoch kräftezehrend, da wir immer alle Energie in unsere Shows stecken. Apropos Energie: Wir hatten Anfang der Woche eine Show, bei der wir dachten, dass wir mit viel Energie in die neue Woche starten. Tatsächlich war dem nicht so und wir hatten eine Pleiten, Pech und Pannen Show. Ich hatte einen totalen Fehlgriff bei der Auswahl meines Zuschauers bei unserer „Mitmachnummer“. Wir haben sicherlich daraus gelernt – nämlich dass es doch sehr auf die Kleidung der ausgewählten Person ankommt. Wir brauchen jemand cooles eher als jemanden mit „lustigen“ Anziehsachen. Nicht jeder sich „lustig“ fühlender Mensch ist auch tatsächlich lustig auf der Bühne. Es ist eine feine Linie zwischen lustig und albern. Diese Linie beschreiten wir jeden Tag und hatten dieses eine Mal wenig Glück mit unserem Seiltanz. Dann fiel noch während der Show eine Jonglage-Darbietung aus, ein Zaubertrick missglückte, ein Requisit fiel mir aus dem Halter usw. Es war nicht schön… , zudem haben sich Diamond und ich noch darüber gestritten, ob man/frau in dieser Situation, wo wir das Gefühl hatten, dass das Publikum nicht 100% auf unserer Seite war, neue Dinge ausprobieren sollte. Ich war dafür, Diamond eher dagegen. Ich sehe ihren Punkt, dass wir uns auf keine weitere Reibung mehr erlauben können, wenn wir eh schon eine Unwucht haben. Andererseits könnte es gerade dieses „neue“ sein, dass uns so viel Spaß macht, dass wir die Gunst der Zuschauerinnen und Zuschauer zurückgewinnen. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Ich habe etwas neues an dem „Unwucht“-Tag ausprobiert gegen den Rat von Diamond. Es ist weder das eine noch das andere eingetreten. Aber immerhin haben wir etwas Neues versucht; das „Neue“ ist der „unsichtbare“ Hund, eine Leine mit einem Hundegeschirr am Ende der Leine, das in der Luft zu schweben scheint. Ich dachte nicht, dass dieser alte Gag tatsächlich so gut ankommt. Er scheint wieder zu alt zu sein, dass er in Vergessenheit geraten ist. Nun, wir haben trotz der Schieflage nach der Show am Ausgang gestanden und haben die Gäste und Gästinnen verabschiedet. Ich muss sagen, dass auch das Verabschieden Energie kostet, aber es sich dennoch sehr lohnt, mit den Gästen und Gästinnen zu sprechen nach der Show. Am lustigsten war ein Herr, der nach der Show auf Diamond zugeht und sagt: Wunderbar gesungen! Auch macht es mir Spaß, lustige Verabschiedungen auszuprobieren. Ich fange gern an mit „Tschö mit Ö“, was natürlich etwas abgelutscht ist, steigere es aber dann mit „Tschüsseldorf“, „San Frantschüssko“ und „Hau Rheinland Pfalz“. Auch „ich verabscheue mich“, pardon „verabschiede mich“ kommt dann sehr gut an. Zugegeben – die Verabschiedungen sind nicht von mir, aber sie werden langsam meins durch Ausprobieren. Spaß macht auch den scheidenden Gästen zu sagen: „Sie waren toll, wir werden Sie weiterempfehlen!“. Oder auch zu sagen: „Wir haben uns heute auch extra Mühe gegeben… im Gegensatz zu gestern.“

Am Montag war ich bei der „Absolventenshow“, wobei es durchaus auch eine „Absolventinnenshow“ war. Erstaunlich war die gemeinsame Leistung, alles floss ineinander. Auch war erstaunlich, wie breit gefächert das Repertoire der Artistinnen und Artisten war. Nach meinem Geschmack könnte die Musik etwas mehr variiert werden und auch die Kostüme dürfen gern die einzelnen ProtagonistInnen etwas mehr herausheben. Am besten gefiel mir das „Teaterboard“ am Schluss der Show.

Am Dienstag habe ich einen „Zirkelabend“ des magischen Zirkels Bonn im GOP Varietee Bonn mitorganisiert. Es war ein sehr netter Abend mit lieben Kollegen. Danke für Euren Besuch!

Ich bin super begeistert von zwei Comedy Filmen, nämlich von „Dolemite is my name“ mit Eddy Murphy über den Comedian und ersten Rapper Rudy Ray Moore und „Eine nutzlose und dumme Geste“ über den Comedy writer douglas Kenny

Zunächst zu Dolemite: Da geht es um einen Schwarzen namens Rudy Ray Moore, der keinen Erfolg auf der Bühne hat und dann die Rolle des „Dolemite“ annimmt, eines Typen in crazy Anzügen, der wahnsinnig schmutzige Reime auf einen Beat macht. Der Rap war geboren. Ich habe mal versucht, den Anfang von so einem Rap von Mister Moore, nämlich vom „signifying monkey“ zu übersetzen, ich habe getan was ich konnte:

Im Dschungel am 10. Breitengrad
Der Löwe dem Affen auf die Füße trat.
Der Affe sagte: „Muthafucka, kannst du nicht sehen?
Warum musst du auf meinen Füßen stehen?“
Der Löwe sagte: „Ich kann dich nicht hörn!“
doch solltest du mich nochmal so stören
dann tret ich dir nicht nur auf den Zeh,
sondern tue dir noch ganz woanders weh.
nun lebte der Affe auf einem Affenbrotbaum
Er verhöhnte den Löwen am Tag doch kaum
ging die Sonne unter und der Mond stieg empor
nahm sich der Löwe den Affen vor.
allabendlich schlug er ihn reif fürs Krankenhaus
Der Affe dachte: ich Halts nicht mehr aus
Er sagte: „Der Scheiß muss ein Ende haben“
So sah man ihn bald zu dem Löwen traben
Herr Löwe, da kommt ein richtig böser Typ
in deine Richtung und der ist nicht lieb
Er beleidigt deine Leute auf schrecklichste Weise
Deine Mutter sei ne Schlampe und Dein Vater hat ne Meise.
Sagte, er sah dich durch den Dschungel laufen
um an jeder Tür deinen Arsch zu verkaufen.
Deine Schwester sei derartig runtergekommen
hat den Regenwurmschwanz in den Mund genommen
Er sagte, er sah wie der gottverdammte Floh
deine Nichte fickt in ihren motherfuckin Po.
deine Tante ließ sich zwischen den Zweigen
vom gottverdammten Zebra besteigen.
Dann erzählte er von deiner Mami und deiner Schwester Lou
Die hat er gefickt und deine Oma dazu
Deine Schwester sei eine Nobelprostituierte
die 30 Semester Sex studierte
Deine andre, die Du liebst wie kein andres Tier
habe er gevögelt für n Kasten Bier
Dein Onkel würde ihm dreckigst einen blasen
danach deine Tante ohne Erholungsphasen
Also Herr Löwe, so geht das nicht an,
Dass der Elefant Dich so beleidigen kann
Der Löwe sprang auf und brüllte vor Wut
Seine Augen blitzten, es kochte sein Blut
Er lief durch den Dschungel und riss Bäume nieder
Trat Giraffen ins Knie – immer wieder
Dann rannte er auf den Elefanten zu
Ok Du großes Arschloch Du
Ich mach Dich fertig und ich werd auf Dich pinkeln
Der Elefant sah ihn an aus den Augenwinkeln
Sagte: geh nach Hause, du Witzbold, hör auf meinen Rat:
such dir jemanden in deinem Format!
Der Löwe griff voll Wut den Elefanten an
der wich ihm aus und zerlegte ihn dann
Er zertrümmerte seinen Kiefer, Brach ihm jedes Bein,
riss ihm seinen arsch auf, warf ihn rum wie einen Stein
Er richtete ihn zu auf übelste weise,
so weit man sah Nichts als Löwenscheiße
Riss ihm die Nüsse ab, rollte sie im Sand
dann liess von ihm ab der Elefant.

Dabei lasse ich es erst mal bewenden, dabei ging der Rap noch sehr sehr sehr lange weiter in dem Stil. Der Affe macht sich dann über den halbtoten Löwen lustig, der kriegt ihn zu fassen und zum Schluss… naja… ich spoiler nix.

Das Prinzip, was dem ganzen zugrunde liegt, ist eigentlich: Du darfst in Comedy so ziemlich alles machen, wenn du es voller Überzeugung tust und dann wird die Unverschämtheit cool. Du musst es zur Kunst erheben. Was natürlich auch witzig ist, dass der Affe den Löwen beleidigt aber wiederum eben doch nicht, denn er erzählt ja nur von jemandem, der etwas über den Löwen erzählt. Das gleiche Prinzip wende ich gerade an, da ich eine völlig unmögliche Geschichte von jemand anderem, nämlich von „the great dolemite“ erzähle. Es ist ja nicht meine Geschichte, die so voller Kraftausdrücke ist.

 

Der zweite Film (eine nutzlose und dumme Geste) handelt von Doug Kenny, dem Hauptautor von „the national lampoon“, einer Comedy Zeitschrift, die in Amerika zwischen 1970 und 1998 sehr erfolgreich war. Sie haben einfach alle Tabus gebrochen, die man so brechen konnte. Zum Beispiel gaben sie ein Tagebuch für Kinder in Vietnam heraus mit Bildern wie: meine erste Kriegswunde und mein erstes Begräbnis. Oder sie hatten auf dem Cover einen Hund, der besorgt in einen Pistolenlauf schaut und darunter steht: Wenn Sie diese Zeitschrift nicht kaufen, töten wir den Hund. Insgesamt erinnert der Film an „The Wolf of Wall Street“ nur eben nicht an der Börse sondern in einer Comedy Redaktion.

Ich mach jetzt hier fertig, ich muss gleich Podcast aufnehmen. Das Intro wird sein:

Liebe Hörerinnen und Hörer!

Wir haben euch fünf Tipps zusammengestellt, wie Ihr sofort erfolgreich leben könnt, sobald ihr diese Tipps anwendet. Ihr müsst die Tipps nur anwenden! So einfach ist Erfolg! Und nun geht es ohne Umschweife los mit den 5 Tipps!

1. Stehe morgens auf. Wann ist dabei egal. Aber steh auf. Nur wenn Du stehst kannst du abends wieder schlafen gehen!
2. Iss was. Wenn Du Hunger hast. Und hier noch ein Bonus Tipp: Trink was. Wenn Du Durst hast.
3. Zieh dir eine Hose an. Oder ein Kleid. Du wirst sehen, wie Kleidung Dir im Alltag hilft.
4. Atme. Atmen ist wichtig.
5. Atme wieder aus. Sonst explodierst Du.
6. Geh aufs Klo. Sonst explodierst Du. Nur anders.
7. Geh abends schlafen.

Wenn Du diese fünf Tipps befolgst, wirst Du sehen, wirst Du jeden Tag erfolgreich leben! Und jetzt viel Spaß mit der 179. Folge von KOMISCHE GESPRÄCHE!

Und hier noch das aktuelle Poster von „Simsala…Shakespeare!“:

Simsala Shakespeare Zaubershow Poster