Derzeit macht es mal wieder richtig Spaß, selbständiger Künstler zu sein! Und das meine ich nicht einmal ironisch. Ich bin noch ganz beseelt vom Wochenende, da ging der Jugendworkshop mit einem tollen Jekami Abend zu Ende. Zumindest für uns, denn wir mussten weiter nach Bonn. Insgesamt war der Workshop hochkarätig, auch wenn hier und da Ersatz gesucht werden musste:

Zauberkünstler und Moderations-Kollege Thomas Otto war da, Friedrich Roitsch aus München, Herr Niels (Pantomime), Toby Rudolph, wir und der Meister der Zaubertourneen: Mellow! Pit Hartling hat sich per Videobotschaft entschuldigt indem er eine Spielkarte in eine Schmerztablette verwandelt hat, die Ehrlichbrothers haben per Video gegrüßt, Desimo war ursprünglich als Moderation vorgesehen, musste aber kurzfrisitg absagen, Ebs, der Vorstand des MZvD war anwesend. So viele Urgesteine der Zauberkunst! (Allerdings dürften sie bzw. wir dann eigentlich nicht existent sein, denn Urgesteine im Sinne eines Grundgebirges gab es nie, sondern alles auf der Erde ist der Metamorphose unterworfen…) Da konnte man und frau nicht meckern…

Detlev Drenker, der Organisator der Jugendworkshops Steineberg/Idar Oberstein/Bielefeld, wurde sehr intensiv geehrt und bekam eine 1997er Magica, also eine sehr sehr große, sehr sehr schwere Trophäe. Es war rührend, wieviel Aufwand gemacht wurde, um Detlev zu ehren. Toll.

Ich bin auch richtig gut reingekommen in mein Seminar, aber ich war so im Tunnel, dass ich Martins Sierps Geburtstag vergessen habe… uiuiui… sehr peinlich und ich werde darüber sprechen müssen im Podcast. Es ging bei mir um Rollen-Findung und Comedy, wir haben uns zum Beispiel bestimmten Problemen angenommen um sie lustig zu drehen. Da kamen auch schöne Sachen bei raus, zum Beispiel musste ich sehr lachen bei der Meisner Technik, die ich mit den Kids zusammen ausprobiert habe. Ich habe im ersten Seminar noch gezögert, die Meisner Technik anzuwenden, da ich dachte, dass das vielleicht zu riskant ist mit Jugendlichen, da hatte ich keine Erfahrung; schließlich ist die Technik, mit der man „in den Moment“ kommt, also in die Rolle und quasi vergisst, dass Dir jemand zuschaut, weil Du Dich so auf das Gegenüber auf der Bühne konzentrierst, eine sehr persönliche Technik (ok, das war jetzt ein sehr verschachtelter Satz). Alles Agieren ist Reagieren. (Repetitions gehen so: Einer sagt einen Satz über sein Gegenüber und das Gegenüber muss in der ersten Person Singular den Satz wiederholen.)

Aber ich habe recht schnell gemerkt, dass die Kids alle wahnsinnig nett und empathisch waren, und habe dann allen gesagt, dass sie aufpassen sollen, dass sie bei den Repetitions ihr Gegenüber nicht beleidigen. Ich habe mir einen Jugendlichen nach vorne geholt und diesen…. erst mal direkt beleidigt! Ich habe gesagt: Du hast ein schreckliches T-Shirt an und er musste sagen: Ich habe ein schreckliches T-Shirt an und hat das aber mit sehr weit aufgerissenen Augen gesagt, die sich langsam mit Tränen füllten. Ich habe das dann als gutes Beispiel genommen, dass wir die Meisner Technik auch im normalen Leben als guten Abwehrmechanismus gegen verbale Angriffe benutzen können. Ein kläglicher Versuch. Aber das T-Shirt war auch objektiv schrecklich. Es hatte als Motiv ein zähnefletschendes blutiges schleimiges Zombie Monster von Iron Maiden. Er hat es wohl geliebt und war traurig, dass man sein schreckliches Monster so schrecklich finden konnte.

Naja, aber das war nicht das, was ich witzig fand, ganz im Gegenteil. Ich habe dann bei anderen Repetitions zugehört und da sagte zum Beispiel einer: Du hast ein weißes T-Shirt an und der andere sagte: Genau. Dann gab es Streit darüber, dass der andere eben nicht genau sagen sollte sondern: Ich habe ein weißes T-Shirt an. Ich habe eingegriffen und habe gezeigt wie es geht: Ich sage etwas über Dich, zum Beispiel: Du hast einen Fleck auf Deiner Hose und Du musst dann antworten…?: Er:  „Ich habe einen Fleck auf Deiner Hose.“ Ich korrigiere das und mache ein neues Beispiel. Ich sage also: Du hast zwei Arme. Mein Jugendlicher überlegt nicht lange und antwortet: Ich hasse zwei Arme. Ich konnte nicht mehr.

Weitere kreative Ideen gab es beim gemeinsamen Brainstorming, wie wir als Vorführende bei peinlichen Fehlern auf der Bühne reagieren könnten, angenommen zum Beispiel, dir fällt eine Orange aus dem Ärmel.

Es muss Herbst sein, die Orangen fallen mir aus dem Ärmel!

Applaus für den Mut der Orange. Sie hat sich gerade selbstständig gemacht. Sie ist aber Kleinunternehmerin und nimmt keine Mehrwertsteuer.

Heißt die Orange eigentlich Orange weil sie orange ist oder heißt sie Orange, weil die Orange orange ist?

Mit so schönen Kommentaren freut man/frau sich ja direkt, wenn Dir eine Orange aus dem Ärmel fällt! Eine gute Show ist nur eine Frage der guten Vorbereitung. Bei guter Vorbereitung ist auch die Vorfreude auf die Show weit größer. Eine gute Fragestellung ist: was mache ich, wenn mir… passiert? Oder: Was sage ich, wenn der Gast … sagt? Unverbereitet hat die Show mehr Anfälligkeit für Peinlichkeiten.

Aber nichts war so peinlich wie meine Aktion in der Bahn mit einem Touristen aus Katar und ich bin absolut untröstlich. Ich bin derzeit in Österreich und am Bodensee unterwegs und zwar mit der Bahn. Ich war dabei, als ein englisch sprechender Mann versuchte, den Schaffner hinsichtlich seiner Bahnverbindung zu befragen. Der Schaffner wollte ihm nicht richtig helfen. Also bot ich mich an und er sagte, er würde mir gern folgen an meinen Platz, denn er sei noch nie mit der Bahn gefahren. Ich kam mit ihm ins Gespräch und er wollte um 10:44 in Wörgl aussteigen, um seinen Anschluss Zug nach Zell am See zu erreichen um 10:51 Uhr von Gleis 11. Naja, ich habe mir den Wecker gestellt auf 10:40 Uhr und ich habe ihn zur Zugtür begleitet. Ich sah schon einen Zug auf Gleis 11 stehen und habe ihm gesagt, er müsse dorthin. Zufrieden habe ich mich auf meinen Sitz begeben und der Zug fährt ab. Nach kurzer Zeit kommt die Durchsage: Meine Damen und Herren, mit 10minütiger Verspätung erreichen wir um 10:55 Uhr den nächsten Halt Wörgl. OH MEIN GOTT! Ich habe den Katari in Kufstein auf Gleis 11 geschickt, nicht in Wörgl! OMG. Es tut mir soooo leid. Ich konnte ihn nicht mehr erreichen. Vermutlich ist er in den Zug eingestiegen auf Gleis 11 in Kufstein und ich habe keine Ahnung wohin der fuhr. Vermutlich nach Katar.

Frage:

Warum kommen Zaubertricks auf 90.000 Meter Höhe nicht an?

Keine Atmosphäre

Und: Wenn sich jemand unter den Armen die Haare wachsen lässt, könnte das entweder bedeuten, dass da viele Haare entstehen oder gar keine!

Auch ansonsten macht es Spaß, derzeit als Zauberer selbständig zu sein, weil Deutschland Lust auf Entertainment hat. Ich bekomme so viele Emails wie nie; kann aber auch daran liegen, dass ich lauter Verlosungen veröffentlicht habe, um unsere nur mäßig gefüllten Shows in Berlin noch zu füllen. Aber es wird. Es sind ja noch zwei Tage bis Samstag :-). Andererseits – wenn es leer sein sollte bei unserer Kindershow in Bernau, dann ist das wieder Material für den nächsten Podcast.

Ich habe eine erste Anfrage für Steampunk Zauberei bekommen für Oktober 2025, meine erste mit diesem Thema! Ich habe das ja immer gepflegt bei meiner SEO Tätigkeit, mit anderen Worten bei meinen Blog Einträgen. Und jetzt war es soweit: eine Anfrage für eine Steampunk Show! Endlich. Allerdings können wir da nicht, denn wir haben in 2025 keinen Termin mehr frei; wir sind ab Ende März wieder im … Europapark! Wir dürfen wieder das schöne Globe Theater bespielen. Juhu! Ich freu mich. Aber natürlich schade für die Steampunk Anfrage.

Apropos Steampunk: Bei unserer Kinderzaubershow fragen wir ja die Kinder, was sie so am liebsten haben in ihrem Leben und da kommen da doch hin und wieder Antworten, die nicht ganz in unser Schema passen, zum Beispiel „Play Station“ oder „Fortnite“. Ich habe mir mal Fortnite erklären lassen, es ist ja kein Egoshooter sondern Third Person shooter. Also: Alles gut 🙂 Schön dass sich die Jugend schon so früh mit dem Sterben auseinandersetzt. So bleiben wir demütig im Angesicht unserer Endlichkeit. Memento Mori! Fortnite ist der Pure Stress: Du kämpfst live gegen andere, aber der Ort, wo Du kämpfst, wird ständig kleiner, weil überall Sturm aufzieht und Du da nicht lange existieren kannst, wo der Sturm ist. Also irgendwie wie die Desertifikation in der Sahel-Zone, deren Wüste sich auch ständig ausweitet und nicht besonders lebensbejahend ist.

Das Intro kommt heute von Künstlicher Intelligenz: https://suno.com/

Songs:

Magia von Alvaro Soler

lagrimas negras Aymee Nuviola

 

Unser Zauber Roboter Schrott_E