Bei der letzten deutschen Meisterschaft der Zauberkunst im Mai 2017 habe ich mit Martin Sierp als „Abdul und Luigi“ die Preisverleihung moderiert. Gerade fiel mir ein Dokument aus 2005 in die Hände, wo wir erst DISQUALIFIZIERT wurden und dann den ersten Platz bei der DTM in der Sparte „Disqualifikation“ ergatterten. Hier der recht gelungene Text. Viel Spaß beim Lesen! Besonders denjenigen, die bei der DTM 2005 dabei waren!

BRAINTIME1

Die volle Wahrheit über Abdul & Luigi

aus dem Italienischen übersetzt durch

 DIE ZAUdERER

Braintime – Zeit zum Nachdenken!!! Abdul und Luigi sind landläufig als zwei oberflächliche Typen bekannt, die lieber einen Freund verlieren als eine Pointe auslassen. Tatsächlich aber steckt sublim hinter ihren Grob- und Frechheiten der Geist von zwei Freidenkern, die sich nicht leicht in ein Schema pressen lassen. Man nehme zum Beispiel ihren letzten großen Auftritt bei einer Hochzeitsfeier, wo die beiden mit der Brautentführung beauftragt waren und diese endlich derartig in die Tat umgesetzt haben, dass die Braut bis heute nicht mehr gesehen wurde. „Erst waren wir Betonschuhe kaufen, dann im Freibad und dann habe ich sie aus den Augen verloren. Sie wird schon irgendwann wieder auftauchen!“ gibt Abdul routiniert Antwort. Hier wird deutlich, wie ernst Abdul und Luigi Ihren Auftrag zur Unterhaltung nehmen!

Beispielhaft sei weiterhin ihr Walk-away-Auftritt auf der letzten Jubiläumsfeier einer Aluminiumfirma genannt, wo die beiden als „falscher Gast“ auftraten. Hierbei sagten sie dem Gastgeber, wie toll er aussieht und lästerten dann hinter seinem Rücken über sein Aussehen. Perfekter kann man die Falschheit des Gastes wohl nicht herausspielen! Einen echten Knaller konnten die beiden landen, als sie eine Feier zum 50. Geburtstag sprengten.

Abdul und Luigi konnten wegen dieses ernsthaften Anspruchs an ihre KUNST auch bereits einige großartige Erfolge bei Zauberwettbewerben erringen – zu Recht! Und dies obwohl sie das Reglement bis heute nicht ganz verstanden haben. Viele beklagen sich, dass die Entscheidungen der Jury oftmals ungerecht und willkürlich erscheinen. Abdul und Luigi sind nicht dieser Meinung. Wenn man freundlich und respektvoll einer Jury gegenübertritt, läuft auch alles wie geschmiert.

Der ganze Ernst ihrer Beschäftigung mit der freundlichen UnterhaltungstäuschungsKUNST wird aber erst deutlich, wenn man Abdul und Luigi auf Ihren Streifzügen durch die Geschichte der ZauberKUNST begleitet. Kein Gast wird es je vergessen, wie Luigi beim letzten Sammlertreffen in Wien (siehe MW 05/05) mit zwei Klappblumenbouquets bewaffnet über Döbler reminiszierte („Hier ein Sträußchen, da ein Sträußchen“). Bei seiner magischen Soiree zu Ehren von Johann Nepomuk Hofzinser zelebrierte Abdul abends seine zauberhaften Piecen wie „Denken und Vergessen“, „Überall und Nirgends“ und „Auf und Davon“. Ihr neuestes Steckenpferd ist jedoch die Mentalzauberei; insbesondere die in letzter Zeit immer beliebter gewordene „Pre-Show-Work“. Was man NUR durch ein intensives 6–Augen-Gespräch mit einem Zuschauer vor der Show für unglaubliche Effekte erreichen kann, ist schon sehr erstaunlich. Die Bühnenhypnose von „A & L“ funktioniert übrigens nach dem gleichen Prinzip.

Durch die Vielschichtigkeit der Zauberei wird es auch in Zukunft noch viele Betätigungsfelder für die beiden geben. Sie denken da insbesondere an den bisher völlig von ihnen vernachlässigten Bereich der Kinderzauberei. Abdul hat auch schon einen Künstlernamen. Er will sich „Abdul die Zauberfee“ nennen. Er hat sich auch schon einen umfangreichen Fundus an kindgerechten Requisiten besorgt: Schwert durch Hals, Kopfverbrennung und Houdinis Water-Torture-Cell. Luigi selbst zieht es z. Z. eher zu den stummen, musikalisch untermalten, szenischen Darbietungen der „südländischen Schule“ hin. Bei der „südländischen Schule“ handelt es sich um ein eng gestricktes Netzwerk einer Familienbande, deren Werke sich durch Ernsthaftigkeit, Präzision und das Antrainieren ungewöhnlicher ruckartiger Bewegungsabläufe auszeichnen. Luigi hat sich noch nicht entschieden, ob er eine Darbietung als „tapferes Schneiderlein“, „vom Schuhputzer zum Tellerwäscher“ oder „mit Quietsche-Entchen im Schlafanzug“  präsentieren wird. Für letztere Darbietung hat ihm Abdul bereits eine Zombieschwebe in Hüfthöhe ohne Gimmick entwickelt.

Man sieht also: diese beiden sympathischen Jünger Mayas haben sich seit Anbeginn Ihres Wirkens die ZauberKUNST auf ihren Banner geschrieben und reihen sich damit ein in die Liga der großen Zauberer wie Houdini, Kalanag und dem großen Koboldini. Vorbei sind die Zeiten, zu denen man behauptete, Abdul und Luigi würden sich an den Misserfolgen anderer ergötzen, diese zum Gegenstand ihrer Darbietung machen, dabei aber selber die Vorführung von Kunststücken nie bis zum Effekt durchhalten. Diese Anfeindungen erscheinen nunmehr lachhaft und haltlos. Ihre Behauptungen, nur die Beschäftigung mit der ZauberKUNST an sich und der Magie a priori machten einen wahrhaft guten Zauberer aus, sind Axiome, die keiner weiteren Erklärung bedürfen.

1Den Begriff „Braintime“ haben wir von einem befreundeten Zauberer, der mit einem Eimer auf dem Kopf in der ZauberKUNST Maßstäbe setzte.

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